Sebastian Grossmann auf der Suche nach dem Einhorn

Es war einmal in einem weitentferntem Dorf ein Junge, namens Sebastian Grossmann, der mit seiner Mutter in einer kleinen Hütte wohnte. Die beiden lebten dort alleine, denn Sebastians Vater verschwand vor einigen Jahren in dem Wald neben dem Dorf. Dieser Wald war kein gewöhnlicher Wald, denn die Leute in dem Dorf erzählten von einer Hexe, die den Wald vor Jahren aus Wut verwunschen hatte. Doch Sebastians Vater ließ sich davon nicht abhalten. Er ging in den Wald um Nahrung für seine Familie zu suchen, denn sie hatten kein Geld mehr, um sich Essen auf dem Markt zu kaufen. Seit dem Abend, wo der Vater die Hütte verlassen hatte, um den Wald zu betreten, hatten weder Sebastian, noch seine Mutter, ihn jemals wieder gesehen.

Eines Nachts träumte Sebastian Grossmann von dem Tag wo sein Vater verschwand. Er sah, wie sein Vater in den Wald ging und von der Hexe aus den Geschichten der Leute aus dem Dorf in eine dunkle Höhle geführt wurde. Sein Vater wurde von der Hexe in einen Käfig gesperrt und gefangen gehalten. Sebastian hörte, wie sein Vater nach ihm rief. Plötzlich stand Sebastian selbst vor dem verwunschenen Wald und ein wunderschönes weißes Einhorn mit goldener Mähne kam aus dem Dunklen auf ihn zu. Es blieb vor ihm stehen und sprach zu ihm: „Komm mit mir und ich führe dich zu deinem Vater. Mach dich auf den Weg!“ Danach hörte er: „Sebastian Grossmann! Kommst du bitte endlich in die Küche!“. Sebastian schlug die Augen auf und schaute seiner wütenden Mutter direkt ins Gesicht. „Sebastian! Ich habe dich unzählige Male gerufen. Ich brauche deine Hilfe. Kommst du bitte in die Küche, du Schlafmütze.“, sagte seine Mama. Noch ganz verschlafen und verwirrt stand Sebastian also auf und zog sich an. Er folgte seiner Mutter verschlafen in die Küche und half ihr beim Butterstampfen. Dabei erzählte er ihr von seinem intensiven Traum, doch seine Mutter schüttelte nur den Kopf und sagte: „Ach mein Junge… Einhörner und Hexen gibt es nicht. Du musst dich in der Realität wiederfinden.“ Sebastian brachen die Worte seiner Mutter das Herz, denn er hatte Hoffnung in dem Traum gefunden, dass er seinen Vater wieder sehen könnte. Wütend stand er auf und schrie: „Ach ja?! Ich werde dir beweisen, dass mein Traum mir die Wirklichkeit gezeigt hat. Noch heute Abend mache ich mich auf den Weg und werde das Einhorn suchen, dass mich zu meinem Vater führt!“ „Nein, Sebastian! Tu das bitte nicht. Ich will dich nicht auch noch verlieren, mein geliebtes Kind.“, antwortete die Mutter. „Mach dir keine Sorgen, Mama. Ich werde unsere Familie wieder zusammenführen“, erklärte Sebastian mit Stolz.
Noch am selben Abend hatte Sebastian Grossmann sich eine Tasche mit Proviant gepackt und sich warm angezogen. Er umarmte seine Mutter liebevoll zum Abschied und sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Pass auf dich auf, mein Junge. Komm heile wieder nach Hause“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Er nickte und verließ die Hütte mit schnellem Schritte.
Sobald er das Dorf verlassen hatte und vor dem Wald stand, bekam er doch mit seiner Angst zu kämpfen. Er erinnerte sich an die Situation von vor ein paar Jahren, als er mit seiner Mutter vor dem Wald stand um nach seinem Vater zu suchen, doch die beiden den Wald nicht betraten. Er überlegte kurz, ob er nicht doch zurück gehen sollte, weil seine Mutter recht hatte und er sich nur irre. Dann sagte er zu sich selbst: „Du schaffst das! Werde jetzt nicht schwach! Du bist Sebastian Grossmann und du wirst jetzt das Einhorn finden, dass dich zu deinem Papa führt. Ich will meine Familie wieder haben.“
Sein ganzer Körper zitterte, als er den ersten Schritt in den Wald macht und ihn ein kalter Luftzug umhülle. Im Wald selbst war es noch viel dunkler als er gedacht hatte. Er nahm all seinen Mut zusammen und lief tiefer in den Wald hinein. Sebastian Grossmann fragte sich, wie er das Einhorn aus seinem Traum wohl finden sollte, schließlich konnte er es ja nicht einfach rufen. Oder etwa doch? „Hallo liebes Einhorn! Ich sah dich in meinem Traum. Ich brauche deine Hilfe meinen Vater zu finden!“ rief Sebastian durch den finsteren Wald. Plötzlich fingen die Wurzeln der umstehenden Bäume an hell zu leuchten. Sebastian konnte seinen Augen nicht trauen, als die Lichter ihm einen Weg zu zeigen schienen. Er hörte eine Stimme flüstern: „Folge deinem Herzen.“
Sebastian Grossmann atmete tief durch und folgte den schönen Lichtern auf dem Boden. „Auch wenn ich jetzt in eine Falle der Hexe laufen sollte, habe ich wenigstens probiert meinen Vater zu finden.“, ermutigte er zu sich selbst.
Er lief und lief durch den Wald und es fühlte sich für ihn an, als würden Stunden vergehen. Irgendwann brach er erschöpft auf dem Boden zusammen. „Ich kann nicht mehr!“, stöhnte Sebastian Grossmann, „Ich brauche eine Pause.“. Er legte sich unter einen Baum und schloss die Augen. „Ich brauche nur ein wenig Schlaf…“.
Sebastian wurde geweckt durch eine wunderschöne Melodie, die in seine Ohren strömte. Er öffnete die Augen und sah, dass es im Wald noch immer dunkel war. „Woher kommt diese schöne Musik?“, fragte sich Sebastian und stand auf. Er folgte den schönen Klängen und stand schnell vor einer dunklen Höhle. „Oh nein! Ist das die Höhle der Hexe?“, fragte er sich. Mit zitternden Knien setzt Sebastian Grossmann den ersten Schritt in die Dunkelheit. Auf einmal wurde die Melodie viel lauter und von seinem Fuß aus ging eine gewaltige Welle durch die ganze Höhle. Er schloss kurz seine Augen und als er diese wieder öffnete leuchtete die Höhle in allen erdenklichen Farben. Vor ihm stand in all den Farben das weiße Einhorn. „Du hast mich gefunden. Wie schön.“, sprach das Einhorn mit sanfter Stimme. Sebastian Grossmann konnte seinen Augen nicht trauen und stand sprachlos da. „Hab keine Angst. Ich werde dich zu deinem Vater bringen. Ich bin froh, dass du meine Nachricht in deinem Traum erhalten hast.“, erklärte das Wunderwesen weiter. Sebastian schluckte und fragte: „Wie ist das alles nur möglich?“. Das Einhorn schien zu lächeln und sagte: „Nicht alles ist so leicht zu verstehen, mein Junge. Nun komm! Dein Vater braucht dich. Steig auf meinen Rücken.“
Sebastian Grossmann stieg also auf den Rücken des Einhorns und zusammen verließen sie die glitzernde Höhle.
Sebastian fragte auf dem Weg: „Wie können wir meinen Vater retten? Was ist mit der Hexe, die ihn gefangen hält?“ Das Einhorn antwortete leise: „Du wirst in die Grotte der Hexe gehen und deinen Vater retten. Die Hexe selbst wurde von einem großen Magier verzaubert. Wenn Gefangener von ihr flüchten kann, löst sie sich in Staub auf.“. „Wieso hat vor mir noch nie jemand versucht die Gefangenen zu befreien?“, fragte Sebastian weiter. „Du warst der Auserwählte, denn dein Herz ist rein.“, flüsterte das Einhorn. Danach blieb es stehen. Sebastian Grossmann schaute sich um und sah einen furchteinflößenden Eingang in eine Höhle. „Wir sind da.“, sagte das Einhorn.
Sebastian sprang vom Rücken des Tiers und atmete tief durch. „Ich werde meinen Vater wieder sehen.“, sprach er zu sich selbst. Diese Worte motivierten den Jungen so sehr, dass er in die Höhle rannte und nach seinem Vater rief. Nach mehreren Metern hörte er plötzlich eine Antwort: „Sebastian! Ich bin hier!“, rief es aus einer Ecke. Der Junge schaute sich verdutzt um und sah daraufhin seinen Vater in einem Käfig. Mit Tränen in den Augen lief er auf ihn zu und als sich ihre Hände berührten verschwanden die Gitterstäbe, die die beiden voneinander trennten. Sie fielen sich gegenseitig in die Arme und weinten vor Freude. „Ich kann es nicht fassen! Wie hast du mich gefunden, mein Sohn?“, schluchzte der Vater. „Ein Einhorn hat mich zu dir geführt. Ich wusste, ich kann dich retten!“, antwortete Sebastian. „Ich bin so stolz auf dich.“, erwiderte der Vater.
Plötzlich hörte man ein fieses Lachen. „Ihr habt wohl gedacht, dass es so einfach wird von hier zu flüchten.“ Sebastian drehte sich um und sah einer scheußlichen grünen Hexe ins Gesicht. Sein Herz blieb stehen und er dachte, er hätte doch verloren. Doch da sprang das Einhorn zwischen die beiden. „Schnell, verschwindet von hier! Ihr habt es fast geschafft. Verlasst die Höhle und der Fluch ist gebrochen!“, rief das Einhorn. Die beiden Männer nahmen ihre Beine in die Hand und liefen zum Ausgang. Als Sebastian sich umschaute, sah er wie das Einhorn mit der Hexe kämpfte und diese davon abhielt ihm und seinem Vater zu schaden. Er drehte sich wieder nach vorne und sah den Ausgang der Höhle. Sebastian Grossmann sprintete die letzten Meter mit seinem Vater und die beiden stürzten in den Wald. Sobald sie die Höhle verlassen hatte, hört man es laut Knallen. Beide schauten sich erschrocken um und sahen, wie die gruselige Höhle, verschwunden war. Sie sahen nur einen großen Hügel mit grünem Gras. „Der Wald ist wieder hell!“, freute sich der Vater, „Der Fluch ist gebrochen!“. Sebastian schaute sich nach dem Einhorn um, doch weit und breit war keine Spur von ihm zu sehen. Er flüsterte bloß „Ich danke dir, mein Freund. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.“.

Sebastian und sein Vater rappelten sich auf und verließen den nun natürlichen und schönen Wald. Sie rannten den Weg zurück nach Hause und stürmten in die Hütte.

Dort saß die Mutter, die auf ihre Helden gewartet hatte und alle fielen sich in die Arme. „Mein Sohn! Mein Mann! Ihr habt es geschafft! Ihr seid zurück! Ich bin ja so glücklich!“, rief die Mutter mit Freudentränen in den Augen. Der Vater sagte: „Unser Sohn hat mich gerettet. Wir können so stolz auf ihn sein.“
Seitdem leben die Grossmanns wieder glücklich alle gemeinsam in der kleinen Hütte in dem weitentfernten Dorf. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute dort…

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